Die Nürnberger Prozesse, die von 1945 bis 1949 vor dem Internationalen Militärgerichtshof im Nürnberger Justizpalast stattfanden, veränderten die Welt nachhaltig. Sie gelten als historischer Meilenstein, da hier erstmals Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit auf internationaler Ebene juristisch verfolgt wurden. Weniger bekannt ist jedoch, dass auch in Hamburg ein bedeutender Ort existierte, der eine Schlüsselrolle in der Nachkriegsgeschichte Deutschlands und Europas spielte: das CURIO-HAUS im Stadtteil Rothenbaum. Es war der wichtigste Gerichtsort für die Kriegsverbrecherprozesse in der britischen Besatzungszone – die sogenannten Curiohaus-Prozesse.

Das CURIO-HAUS: Vom Haus der Prozesse zur Eventlocation
Von 1945 bis 1949 fanden im CURIO-HAUS die britischen Curiohaus-Prozesse statt, ein einschneidendes Kapitel der Hamburger Zeitgeschichte. In diesem bedeutungsvollen Gebäude an der Rothenbaumchaussee verhandelten die Gerichte über die Hälfte der 329 Kriegsverbrecherprozesse in der britischen Zone. Doch das damalige Haus der Prozesse wurde 1911 von einem Lehrerverband erbaut und diente in den 1920er Jahren als Treffpunkt für Künstler und Intellektuelle. 1933 ging es in den Besitz des NS-Lehrerbundes über. Nach dem Krieg nutzte die britische Armee das weitgehend unbeschädigte Gebäude für die Prozesse, während andere Gerichte in den üblichen Hamburger Justizgebäuden arbeiteten. Nach Abschluss der Verfahren übergab die britische Armee das CURIO-HAUS wieder an den Lehrerverband. 1950 zog die Universität mit ihrer Mensa ein. Heute erstrahlt das denkmalgeschützte Haus in neuem Glanz und dient als stilvolle Location für kulturelle Veranstaltungen, Konzerte und Events.
Gerichtsverfahren, die die Welt veränderten
Die Nürnberger Prozesse von 1945-1949 vor dem Internationalen Militärgerichtshof in Nürnberg gehören zu den bekanntesten weltweit. In den ersten Jahren wurden vor allem die Hauptverantwortlichen wie führende NS-Amtsinhaber verurteilt; in den späteren Jahren folgten Nachfolgeprozesse gegen Ärzte, Juristen, Industrielle oder Diplomaten. Neben den bekannten Nürnberger Prozessen fanden in den Besatzungszonen zahlreiche weitere Verfahren vor Militärgerichten statt. Die Curiohaus-Prozesse in Hamburg, durchgeführt von der britischen Besatzungsmacht, verhandelten innerhalb desselben Zeitraums über 500 NS-Täter, darunter zahlreiche Verantwortliche für Verbrechen in Norddeutschland, etwa in den KZs Neuengamme und Ravensbrück.
Gemeinsam verdeutlichen beide Prozessreihen der 1940er Jahre, dass die juristische Ahndung von NS-Verbrechen sowohl auf internationaler als auch auf regionaler Ebene möglich war und damit die Grundlage für die heutige internationale Strafjustiz schuf, die angemessene Strafen sicherstellt.

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