Hamburg ist eine Stadt, die mit ständig neuen Projekten und Bauten wie zum Beispiel dem beeindruckenden Westfield-Einkaufszentrum im Überseeboulevard internationale Besucher:innen anzieht und begeistert. Immer wieder stehen neue Pläne in der Pipeline, um die City noch attraktiver zu machen. Dazu gehört auch das millionenschwere Megaprojekt „Elbtower“, an dem seit Jahren gearbeitet wird. Im Oktober 2023 wurde erstmals ein Baustopp verhängt, und schon lange steht das Bauvorhaben in der Kritik, weil die Alarmwerte überschritten sind. Nun zeigt ein neuer Bericht jedoch, dass die Probleme noch gravierender sind als bisher angenommen, denn das Bauwerk senkt sich und beeinträchtigt dadurch Anlagen der Deutschen Bahn.

Es kehrt einfach keine Ruhe ein beim Bau des „Elbtower“, der mit 245 Metern Hamburgs neues Wahrzeichen und höchstes Gebäude – zugleich das dritthöchste Deutschlands – werden sollte. Vorgesehen war ein vier- bis fünfgeschossiger Sockelbau, aus dem sich sechs bis sieben Etagen mit Terrassen entwickeln sollten. Diese sollten in einen schlanken, geschwungenen Turm mit rund 64 Stockwerken übergehen. Auf 160.000 Quadratmetern Bruttogeschossfläche waren vor allem Büros geplant (77.000 m² auf 48 Stockwerken). Darüber hinaus sahen die Pläne ein Nobu-Hotel, mehrere Gastronomie- und Einzelhandelsflächen, ein Gym, ein Spa sowie eine Aussichtsplattform in 200 Metern Höhe vor. Drei der Etagen sollten für Wein- und Feinkostgeschäfte, Galerien und Cafés reserviert sein.
Nun steht der Gigant mit bislang nur 100 Metern Höhe unvollendet in der HafenCity und der Senat berichtet von erheblichen Stabilitätsproblemen. Die Baustelle ruht seit Oktober 2023, die Signa-Gruppe des Investors René Benko ist insolvent. Die Schwierigkeiten sind sowohl technischer als auch politischer Natur.

Ein neuer Bericht des Spiegel belegt anhand von Messdaten, die dem Magazin vorliegen, dass bereits im Frühjahr 2024 Alarmwerte überschritten wurden – mit potenziell gravierenden Auswirkungen auf Anlagen der Deutschen Bahn. Im Februar 2024 wurden zudem Drehungen an der nahegelegenen Eisenbahnüberführung Ladestraße registriert, beide Werte lagen deutlich über dem Alarmwert von 0,7. Ein Sprecher der zuständigen Behörde erklärte allerdings, das Monitoring sei „privatrechtlich“ zwischen der Bahn und der Bauherrin vereinbart worden.
Der Senat gibt an, dass bei einer Besprechung mit der beauftragten Vermessungsfirma am 19. Januar 2024 bereits ein Hinweis auf Werte im roten Bereich gegeben wurde. Dennoch bleibt rätselhaft, warum die Bauaufsicht nicht früher über die Verstöße informiert wurde. Wie es mit dem Megaprojekt weitergeht, ist ungewiss. Torsten Martini, Insolvenzverwalter des Elbtower-Projekts, wollte sich dazu nicht äußern. Derweil laufen die Verhandlungen mit dem potenziellen Investor und Immobilienunternehmer Dieter Becken. Unterstützung könnte vom Logistikunternehmer Klaus-Michael Kühne kommen, doch dieser zeigt sich skeptisch: „Ich glaube nicht, dass es sich realisieren lässt“, sagte der 87-Jährige dem Spiegel.